Anti-Aging ist für die Tonne. Laut Zukunftsinstitut heißt der Schlüssel für eine sehr spannende und lohnenswerte Zukunft „Pro-Aging“.

Wenn man die ersten 50 Jahre Leben hinter sich hat, entwickelt man unmerklich eine selektive Aufmerksamkeit für Themen rund ums Altern. Das mag wohl auch der Grund sein, warum ich beinahe unterbrechungsfrei das neueste Szenariobuch des Zukunftsinstituts studiert und mich entschlossen habe, darüber einen Beitrag zu schreiben.

Pro-Aging, also das Gegenteil von Anti-Aging wird dort zur Zukunftschance für unsere gesamte Gesellschaft erhoben. Den angsterfüllten Fragen nach Finanzierung der Pensionen, zur Gesundheitsthematik, Inaktivität oder gesamthaften Verjüngungsmöglichkeit der Gesellschaft wird ein völlig neuer Denkansatz gegenüber gestellt.

So beschreibt Autor Harry Gatterer etwa Alter als Chance auf eine prosperierende Vitalität – im ersten Augenblick ein Paradoxon. Aber nur mit der Kraft der Jugend alleine sind wir nicht imstande, die Komplexität unseres Lebens zu bewältigen. Dies gelingt nur dank der Weisheit der immer mehr, immer vitaleren und immer agileren Alten. Diese „Free-Ager“ entdecken ihr Leben neu, lösen sich von Bedingtheiten und üben sich in Gelassenheit.

Auch die Multigrafie des Lebens spielt dabei eine Rolle. Mit 50 gibt es den zweiten Aufbruch – der übrigens entscheidend für die Frage ist, wie man mit 80 lebt –, der über Konsolidierung zum Unruhestand und schließlich zur genannten Weisheit führt. Wenn man von einem balancierten System ausgeht und Leben nicht als Gerade von A nach B oder anders gesagt die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod versteht, dann ist logisch, dass es beides braucht: Gleichzeitigkeit und Gegensätzlichkeit, Kraft und Ruhe, Krise und Lösung.

Und wer einmal im Leben eine Krise erfolgreich bewältigt hat, der hat auch das Prinzip der Resilienz verstanden – der Fähigkeit, sich selbst zu erneuern. Und vergessen wir nicht: Aus vielen Krisen entstehen Innovationen. Beide, Krise und Innovation, sind untrennbar mit Ideen, Kraft und Kontrolle verbunden. Ideen sind der Katalysator für Anstrengungen, etwas zu erreichen. Wenn dies der Fall ist, stellt sich das Gefühl von Kontrolle ein – so lange, bis sich die Krise abzeichnet. Reaktion, also Innovation ist gefordert. Um schließlich zu neuen Ideen zu gelangen und wieder Kraft zu bekommen für die nächste Runde.

Und so weiter.

Christoph Lanzinger, der zweite Autor des Buches, ordnet dem auch die Themen Burn-out, Freeze-in und Anti-Aging zu. Wobei Anti-Aging versucht, auf der Achse, die zwischen Kontrolle und Krise liegt, nach hinten zurück zu rudern. Funktioniert nur bedingt, wie wir wissen. Hingegen ist Pro-Aging das Annehmen der Krise (wir können sie auch als Chance, Veränderung oder wie immer bezeichnen). Und daraus entsteht dann die genannte Innovation.

Christian Schuldt schließlich macht die Kurve hin von den Free-Agern zur neuen Gesellschaft und damit zur neuen Wirtschaft. Aber dazu ein anderes Mal – Fortsetzung folgt.

http://www.zukunftsinstitut.de/artikel/pro-aging/

http://www.zukunftsinstitut.de/megatrend-glossar/silver-society-glossar/

http://www.ndu.ac.at/fileadmin/user_upload/Downloads/Forschung/NDU_Trendreport-2015-01_Die-Silver-Society.pdf

http://www.resilienz.at/die-7-saulen-der-resilienz/