Man liest immer wieder, Leidenschaft sei die Garantie zum Erfolg. „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität“, sagte einst der deutsche Historiker Theodor Mommsen. Aber ist Leidenschaft wirklich der wichtigste Erfolgsfaktor?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zuerst die Frage stellen, wie man Leidenschaft eigentlich findet. Gehen wir einmal von der These aus, dass Leidenschaft zu Erfolg führt und Erfolg wiederum ein erfülltes Berufsleben garantiert. Nun gibt es aber zwei unterschiedliche Ansichten: Die erste beruht auf „follow your passion“. Das bedeutet, dass man sich etwas sucht, für das man großes Interesse hat und dann alles dafür tut, um darin besser zu werden. Das ist zumeist mit einem hohen Risiko verbunden. Was, wenn sich herausstellt, dass man einfach nicht gut darin ist? Oder wenn sich die vermeintliche Leidenschaft als ungeeignete Berufswahl entpuppt? Muss ich gleich Karatelehrer werden, nur weil ich mich leidenschaftlich für Kampfsportarten interessiere? Oder Astronaut, weil mich das Weltall fasziniert?

Leidenschaft treibt uns an und sorgt dafür, dass wir über uns hinaus wachsen. Im besten Fall hilft sie uns dabei, (fast) jeden Tag freudig zur Arbeit zu gehen. Die Belohnung dafür ist sowohl materiell (in Form von Geld), als auch psychologisch (in Form von Anerkennung). Beides soll uns dazu motivieren, unserer Arbeit noch leidenschaftlicher nachzugehen und somit noch erfolgreicher zu werden.

Die zweite Ansicht verfolgt einen anderen Ansatz – zuerst kommt der Erfolg und dann die Leidenschaft. Wir entdecken, dass wir gut in etwas sind. Das Erfolgserlebnis, das sich in der Folge einstellt, motiviert uns dazu, uns noch mehr anzustrengen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir damit  erfolgreich sind, ist um einiges größer. Und das führt wiederum zu mehr Leidenschaft. Der Self-Made-Milliardär Mark Cuban hat deshalb gesagt: „Don’t follow your passion, follow your effort.“ Tu das, in dem du gut bist. Denk nur an dich selber: Was war dein Lieblingsfach in der Schule? Das, mit dem du dich gerne beschäftigt hast oder das, in dem du am besten warst?

Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter und vertreten die These: „Screw finding your passion“. Was so viel heißen soll, wie, die Leidenschaft sucht dich, nicht du sie. Es geht gar nicht so sehr darum, die eine große Leidenschaft zu finden, sondern mehr darum, dass man Dinge tut, in denen man gut ist und die einem gleichzeitg auch noch Freude bereiten. Am besten natürlich, wenn man etwas findet, mit dem man auch noch Geld verdienen kann.

Das Problem mit „follow your passion“ ist nämlich auch, dass uns die kindliche Spontanität fehlt, Dinge einfach auszuprobieren. Alles muss durchdacht, überlegt, geplant und das Risiko sorgfältig abgewägt werden. Für Kinder ist es durchaus okay, ihre Interessensgebiete zu wandeln, einen Monat Basketball zu spielen, im nächsten Monat Tennis. Bei Erwachsenen ist dieses Verhalten inakzeptabel. Man wird schnell als „unbeständig“ oder „zu wenig fokussiert“ abgestempelt.

Sind aber Menschen glücklicher, die nur eine Leidenschaft verfolgen und ihr ganzes Leben danach ausrichten? Und wie viele von uns sind tatsächlich auch noch in ihrer Freizeit leidenschaftliche Gestalter, Vollblutdesigner durch und durch? Können sich keine Speisekarte anschauen, ohne das Logo des Restaurants in Gedanken zu überarbeiten oder im Bus sitzen, ohne sich zu überlegen, was man an den Gesichtern der Leute photoshoppen könnte. Vielleicht täte es dem einen oder anderen sogar gut, mehr als nur eine Leidenschaft im Leben zu haben und seinen Horizont mit immer neuen Eindrücken zu erweitern.

http://oliveremberton.com/2014/how-to-find-your-passion/


http://vanseodesign.com/online-business/follow-your-passion/


http://markmanson.net/passion