Verschiedene Arten Feedback zu geben, können auf interkultureller Ebene schnell zu Missverständnissen führen. Da sollte man sich auskennen, will man verstehen, was genau ein "Awesome" jetzt bedeuten soll.

Es war einmal ein Designer in Deutschland. Wenn er Scheiße baute, dann sagte sein Chef ganz unverblümt: Das ist scheiße, was du da gemacht hast. Gleichzeitig zeigte er aber auch einen Weg auf, wie er es besser machen könnte. Wenn er super Leistung erbrachte, wurde er von seinem Chef dafür gelobt. Zwar nicht immer und nicht ganz so überschwinglich, wie er es sich manchmal wünschen würde, aber meistens reichte ihm das. Schlechte Kritik einfach wegzustecken, damit hatte er kein Problem, schließlich ist er mit einem dicken Fell aufgewachsen.

Es war einmal ein Designer in Österreich. Er hatte einen guten Draht zu seinem Chef und bekam von diesem ebenfalls ziemlich direktes Feedback, was seine Arbeit anbelangte. Negative Kritik wurde aber gerne in schöne Worte verpackt, denn es war dem Chef wichtig, bei seinem Mitarbeiter nicht unnötig für Unmut zu sorgen. Er vertrat die Meinung: Kritik muss zwar unbedingt sein, kann aber auch taktvoll rüber gebracht werden.

Es war einmal ein Designer in Finnland. Er verstand sich äußerst gut mit seinem Chef, hatte aber doch einen gewissen Respektabstand, den er gerne einhielt. Sein Chef war zwar etwas reserviert und wortkarg, hatte aber immer ein offenes Ohr für Fragen und war stets sehr bemüht. Feedback zu geben, fiel ihm ebenfalls sehr leicht, vor allem positive Kritik, denn er konnte allem etwas Gutes abgewinnen. Negative Kritik gab es dann doch lieber schriftlich und immer nur in sehr höflichem Ton, denn das war dem Chef fast etwas unangenehm und er wollte seinen Mitarbeiter auf keinen Fall bloß stellen.

Es war einmal ein Designer in Australien. Er verstand sich blended mit seinem Chef, ging sogar nach der Arbeit mit ihm ab und zu auf ein Bier. Das Feedback, dass er von ihm bekam, war immer sehr ausführlich, aber nicht unbedingt auf den Punkt gebracht. Negatives wurde zwar angesprochen, aber stets durch die Blume gesagt. Oft wurde einfach um den heißen Brei herum geredet, denn offene und vor allem ehrliche Kritik ist ein absolutes No-Go. Positive Bestätigung und Ermutigung gab es hingegen sehr viel und gerade heraus.

Es war einmal ein Designer in den USA. Sein Chef war immer höchst motiviert und sehr enthusiastisch, wenn es um die Arbeit ging. Er redete viel und verwendete liebend gerne Ausdrücke wie „awesome“, „great“ und „fantastic“ – egal, ob es sich um positive oder negative Kritik handelte. Da war es dann meist auch gar nicht so schlimm, schlechtes Feedback zu erhalten, denn dieses wurde stets in positive Rückmeldungen verpackt, so nach dem Motto: Das war absolut fantastisch, was du letzte Woche gemacht hast, diese Woche allerdings lief es gar nicht gut … aber ich bin mir sicher, das wird grandios, wenn es dann einmal fertig ist!

Wie aus obigen Beispielen ersichtlich wird, kann eine Kommunikationsstrategie in einem Land funktionieren, in einer anderen Kultur hingegen schauen die Erwartungshaltungen komplett anders aus. Während die Deutschen explizit und direkt sind und Kritik sehr offen und ehrlich praktiziert wird, wird diese Verhaltensweise in anderen Kulturkreisen als arrogant oder undiplomatisch angesehen. In manchen Ländern gilt es sogar als äußerst unhöflich, offene Kritik an jemandem auszuüben. Die Amerikaner neigen dazu, negatives Feedback stets in positives Feedback zu verpacken. In der chinesischen Kultur wird es als wichtig erachtet, Kritik nicht im Beisein anderer auszuüben. Im anglosächsischen Raum wird gerne durch die Blume kritisiert. Und in vielen afrikanischen Ländern wird Kritik nicht direkt bei der betroffenen Person angebracht, sondern durch eine unabhängige dritte Person vermittelt.

Diese verschiedenen Arten, Feedback zu geben, können auf interkultureller Ebene schnell zu Missverständnissen führen. Wenn ein Engländer z. B. sagt, „das ist die richtige Richtung, aber wir sind noch nicht ganz da“, würde das übersetzt so viel heißen wie „total am Ziel vorbei geschossen“. Sätze wie „vielleicht solltest du darüber nochmals nachdenken“ oder „ich würde folgendes vorschlagen“ wollen eigentlich ausdrücken: „Das war ein direkter Befehl. Mach’s so wie ich sage!“ Wenn ein Brite die Idee überhaupt nicht gut findet, würde er vorsichtig nachfragen, ob eine andere Option vielleicht auch noch in Frage kommen würde. „Ich war etwas enttäuscht darüber …“ heißt so viel wie „ich bin sehr frustriert und wütend …“. Den Code muss man als Außenstehender erst einmal verstehen, um ihn entschlüsseln zu können.

Zum Schluss nochmals kurz zusammengefasst – so sagt’s der Chef, wenn’s nicht gut angekommen ist:

Amerikaner: „Awesome!“
Brite: „Interesting idea!“
Australier: „Not bad!“
Österreicher: „Nicht so gut!“
Deutscher: „Das ist scheiße!“


http://www.businessinsider.com/the-culture-map-8-scales-for-work-2015-1?IR=T


http://www.businessinsider.com/how-people-give-criticism-all-over-the-world-2014-11?IR=T


http://www.forbes.com/sites/rawnshah/2014/10/06/the-culture-map-shows-us-how-we-work-worldwide/#70b3c6b66e4f


http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/feedback-was-ein-brite-meint-wenn-er-interessante-idee-sagt-a-956264.html


Buchtipp: „The Culture Map“ von Erin Meyer