Es gibt immer was zu tun, und das ist gut so.

Sommerloch, wo bist du?

Sommerloch, wo bist du?

Das waren noch Zeiten! Es wurde von Woche zu Woche heißer. Der Stresspegel stieg synchron zum Thermometer. Das Nervenkostüm wurde analog zur Bekleidung immer dünner. Und der Energielevel sank schön langsam in den orangen Bereich ab. Aber man wusste zuverlässig, dass mit dem Ende des Schuljahrs und dem Beginn der Ferien ein jährlich wiederkehrendes Phänomen sich bald einstellen würde: das Sommerloch.

 

Es kündigte sich damit an, dass sich nach dem Halbjahresfinale allmählich Ruhe und Entspannung breitmachten. Die Anrufe wurden weniger, das Fax (ja, das gab es damals, war so ein Ding, aus dem „Mails“ gleich direkt ausgedruckt rausratterten) stellte auf Ruhemodus um, der Terminkalender wurde langsam weiß wie die Landschaft im Dezember und man merkte: Alle haben Urlaub.

 

Wer es den anderen gleichtat, hatte sowieso keine Sorgen mehr in den Wochen, die nun folgen sollten. Und wer die Stellung halten durfte (oder musste), der konnte sicher sein, dass er in aller Ruhe Tetris spielen, laaaange Mittagspausen machen und spätestens um 16.00 Uhr ins Bad abdampfen durfte. Es war angenehm ruhig. Auch die Kunden gaben sich der sommerlichen Hitze hin und machten, wie die Lieferanten auch, zuvorkommenderweise Betriebsurlaub.

 

Das alles ist lange her (was nichts anderes heißt, als dass ich erstens schon lange in diesem Business bin und zweitens langsam aber sicher alt werde).

Heute ist vieles anders. Manches besser. Manches nicht so sehr. Das Sommerloch ist jedenfalls Geschichte. Ein nostalgisches Relikt aus einer anderen Zeit, das wohl – entgegen vielen anderen Dingen von früher wie beispielsweise Schlaghosen, Schulterpolster oder Haare unter den Achseln – nicht mehr wiederkehren wird.

 

Das kommunikative Dauerfeuer, das spätestens seit Mobilkommunikation, Social Media und Omni-Erreichbarkeit eingesetzt hat, war der Tod des Sommerlochs. Nicht, dass Menschen oder Unternehmen nicht noch immer auf Urlaub gingen. Aber das ist bestenfalls eine räumliche Veränderung unter Beibehaltung derselben Mitteilungs- und Empfangsgepflogenheiten wie während des restlichen Jahres. Mails werden mit den Zehen im Sand beantwortet. Anrufe auch auf der kühlen Waldlichtung entgegengenommen. Facebook und Instagram gehören ohnehin dazu wie früher Euroscheck und 36er-Filme. Und die Performance der eigenen Marketingmaßnahmen oder der Website kann getrost auch mit einem Glas kühlen Rosé in der Hand überprüft werden.

 

Oder man lässt das alles machen. Zum Beispiel von fleißigen, urlaubsresistenten Agenturpartnern wie wir das sind. Die sitzen dann im Steinebach in Dornbirn (wo es gerade gefühlte 65 Grad hat und sich langsam die Frage stellen, wann der Körper die Kerntemperatur eines medium gebratenen Steaks erreichen wird), stöbern im Google Data Center umher, werten aus, optimieren die Keywords, schreiben noch bessere Seitenbeschreibungen für die Website von Kunde A und bereiten gleichzeitig die nächsten Posts für Kunde B vor, während Kunde C am Telefon noch eine Idee für den nächsten Newsletter durchgibt – und zwar von der Mitte des Bodensees, wo er grad mal schnell einen freien Nachmittag genießt, bevor er nächste Woche den Flieger nach wo auch immer besteigt.

 

Ja, solche Dinge machen wir. Gehört dazu, mittlerweile, schließlich wollen wir für unsere Kunden in den wichtigen Kommunikationsthemen ein kompetenter und zuverlässiger Gesprächspartner sein. Deshalb kümmern wir uns auch um die digitale Marke, entwickeln Designs und Interfaces, kümmern uns um SEO und SEA und natürlich die Social Media Profile unserer Kunden. Wir machen Reportings, Analysen und optimieren. Always BETA, nennt das unser Jürgen. Also machen, auswerten, anpassen, machen und so weiter. Und es macht richtig großen Spaß.

 

Aber manchmal, wenn wir zwischendurch mit einem Eis auf unserer schneidigen Couch sitzen oder wir uns ein kühles Bierchen gönnen, dann haben wir schon ein bisschen Sehnsucht nach dem guten alten Sommerloch. Und jetzt ab ins Baggerloch ;-)

 

Andreas Mathis

Juni 2019