SARAH SAGT AUF WIEDERSEHEN

Zum Abschied hat uns unsere Sarah einen Brief geschrieben. Wir sagen nur: Danke, dass du da warst und viel Glück bei deinem nächsten Schritt.

Sarah sagt auf Wiedersehen

Okay, ich gebe es zu. Ich war nicht ganz ehrlich zu dir. Damals, am Anfang. Bei unserem ersten Treffen.

Wahrscheinlich hast du es eh gewusst, dass ich hier und da geflunkert habe. Mit meiner beruflichen Vergangenheit. Die Dinge, die ich angeblich schon gemacht habe. Dem Ausmaß an Erfahrung. Wie viel Erfahrung kann man schon mit 22 Jahren haben? Ich wollte dich in diesem Moment einfach beeindrucken, weil ich mit dir zusammen sein wollte. Einen Teil der Bläue, die ich dir vom Himmel versprochen habe, konnte ich zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht direkt vorlegen. Aber ich wusste, dass ich es mit etwas Zeit und Zuversicht können werde. Ich brauchte lediglich eine Chance es dir zu beweisen. Und ich glaube, dass du das erkannt hast und es mitunter der Grund war, wieso du – entgegen deiner anfänglichen Unsicherheit – mich bei dir aufgenommen hast.

Du warst meine erste große Liebe – die erste richtige Beziehung, in welcher ich meine Leidenschaft ausleben konnte. Nicht so wie die vergangenen schnellen Techtelmechtel. Das mit uns war was Ernstes. Und ich war noch völlig grün hinter den Ohren und hatte die Hosen gestrichen voll mit all den Dingen, die ich dir versprochen hatte. Aber du hast mich an der Hand genommen, sofort an deinem Leben teilhaben lassen und mir jede meiner 1.000.000 Fragen beantwortet, mit denen ich dich über die Jahre gelöchert habe.

Du hast mir viel Platz für meine Baustellen gegeben, an denen ich jeden Tag mit deiner Hilfe Stück für Stück wachsen konnte. Du hast mich nie unterschätzt und mir die Verantwortung gegeben auch Entscheidungen für dich zu treffen. Und wenn ich mal gescheitert bin, dann hast du mir ohne zu Zögern geholfen und bist bedingungslos hinter mir gestanden, um alles aufzufangen, was auf mich herabprasselt. Du hast dich mit allen meinen Ideen auseinandergesetzt und warst auch ehrlich, wenn die eine oder andere Sache besser im Papierkübel aufgehoben war. Du hast meine Interessen gefördert und mir auch den Freiraum gegeben, neue Dinge auszuprobieren und zu lernen.

Durch dich habe ich auch so viele neue Leute kennengelernt! Dein großer Freundeskreis hat mich genauso herzlich aufgenommen wie du. Ich war gerührt, dass sie – wie du – ein solches Vertrauen in mich gesetzt haben und wir so miteinander an gemeinsamen Unternehmungen wachsen konnten. Mit manchen stand ich fast jeden Tag in Kontakt und durch den intensiven Austausch, sind deine Freunde auch zu meinen Freunden geworden. Gemeinsam haben wir richtig gute Dinge auf die Beine gestellt und sind zu einem eingespielten Team geworden. Manche Freunde mussten manchmal sehr geduldig mit mir sein. Wir haben auch oftmals lange diskutiert, bis unsere Köpfe zu rauchen begonnen haben, aber ausgerechnet aus diesen intensiven Auseinandersetzungen sind die schönsten Freundschaften entstanden. Durch fast tägliche Telefonate hat man sich recht gut kennen und schätzen gelernt. An ruhigen Tagen hat es merklich gefehlt, wenn mal niemand angerufen hat. Aber langweilig wurde es nie, dafür hast du schon gesorgt. Wir hatten immer genug zu tun.

Zugegeben, es war auch manchmal anstrengend. So wie es in einer Beziehung eben auch mal sein kann. An manchen wenigen Tagen ist sehr viel auf einmal zusammengekommen. Aber selbst in diesen intensiven Zeiten, warst du immer bereit mitanzupacken und warst immer da, wenn ich Kummer hatte. Gab es Schwierigkeiten mit deinen Freunden, dann warst du immer als Mediator zur Stelle und hast die Wogen geglättet. Du hast dich immer sehr gut um mich gekümmert.

Mittags hast du mich stets mit deinem Ruf nach kulinarischen Wünschen und Anregungen daran erinnert, dass es Zeit zu essen ist. Und wenn ich mal wieder großen Hunger hatte, hast du mir immer etwas von deiner Portion abgegeben. Du warst mein Schnitzel-Buddy Nummer Eins und auch ein Vorbild dafür, mal wieder einen Salat zu essen (was ich 2x versucht habe aber leider daran gescheitert bin). Du hast so oft für mich gekocht und mir immer den letzten Happen überlassen. Du warst bei fast jeder Schaumparty dabei, die ich veranstaltet habe und hast dich genauso über Kuchen gefreut wie ich. Wieviel Champagner und Leberkäse wir uns inzwischen einverleibt haben, wollen wir – glaube ich – beide nicht so genau wissen.

Eines der größten Highlights war es, als du dich tatsächlich für einen Hund in deinem Leben entschieden hast und ich ihm alle Namen geben durfte, die mir so eingefallen sind. Was haben wir gelacht! Mit dir konnte ich die besten Hundevideos und Memes in Dauerschleife ansehen und deine selbsterfundenen Witze werde ich noch lange erzählen. Du hast mich für lange Zeit fast jeden Tag mit dem Auto mitgenommen, wo wir uns alles erzählen konnten. Und als das nicht mehr ging, hast duuuuu mich einfach so weit mitgenommen, wie es eben ging. Und wenn das auch nicht geklappt hat, warst du der beste Bus-Buddy, den man sich nur vorstellen kann.

Wir haben so viel Zeit miteinander verbracht. Du hast dir alle meine Geschichten angehört und über meine Witze gelacht. Du hast mit mir Musik gehört und dich mit mir über Gott und die Welt unterhalten. Wir haben hinterlistige Ballspiele erfunden, du hast mit mir Winnie the Pooh rezitiert, gemeinsam haben wir uns über den Kaffeesatz geärgert und definitiv zu viel Süßkram gegessen. Wir haben uns gegenseitig überall Senf dazugegeben und uns dadurch prächtig weiterentwickelt. Es tut mir leid, dass ich manchmal etwas streng zu dir war, aber du musst wissen: Du hast mich stets inspiriert und motiviert, dass ich mich jeden Tag darüber gefreut habe, mit dir Zeit zu verbringen.

Nun fragst du dich bestimmt, wieso ich gehe. Wenn es doch so schön war. Wir lieben uns doch! Ja, das tun wir, daran ändert sich nichts. Jedoch sind wir nach mehr als 4 Jahren nun an einem Punkt in unserer Beziehung angekommen, wo es sehr gemütlich geworden ist. Zu gemütlich. Du bist wunderbar so wie du bist, du weißt was du willst und wo du hingehörst. Ich jedoch weiß das noch nicht. Ich bin jetzt einfach noch nicht bereit dafür, bei dir fix einzuziehen und mit dir für immer zusammenzuleben. Du kannst leider nicht einfach mal schnell weg von hier und was ganz anderes ausprobieren. Du hast hier dein Glück gefunden und fühlst dich zuhause. Aber mich zieht es hinaus ins Unbekannte. Mit dir konnte ich so groß werden, dass ich mich nun alleine auf den Weg traue, um Neues zu erkunden und an meine Grenzen zu gehen.

Aber es ist ja nicht so, dass wir getrennte Wege gehen. Wir probieren einfach eine neue Form der Beziehung für uns aus. Endgültig verlassen werde ich dich nie – dafür haben wir zu viel miteinander erlebt und wer weiß, auf welche Weise wir in Zukunft wieder zueinander finden. Ich werde immer für dich da sein, egal welche Distanz zwischen uns liegt und ich komme sehr gerne bei dir auf Besuch – sei es einfach mal spontan oder zu einer deiner legendären Parties im Herbst. So schnell wirst du mich nicht los.

Auf jeden Fall möchte ich dir Danke sagen. Danke, dass du mir so viel beigebracht hast, dass ich meine anfänglichen Erwartungen selbst übertroffen habe. Dass du immer für mich da warst und mir ein wundervolles Zuhause geschenkt hast, in dem ich immer so sein durfte wie ich bin. Danke für die vielen geistreichen Unterhaltungen und humorvollen Momente, ich hatte wirklich großen Spaß mit dir. Das hier ist kein Lebewohl sondern ein Auf Wiedersehen – auf dass wir noch lange Freunde bleiben.

Bis ganz bald,
S.