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Die Zukunft ist weder plan- noch vorhersehbar, immer allgegenwärtig und doch morgen schon wieder Vergangenheit.

Man kann über vieles nachdenken, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt: das eigene Leben, den nächsten Urlaub, die Arbeit, die Menschen, mit denen man seine Privat- und Arbeitszeit verbringt, das Essen für die bevorstehende Einladung, den nächsten Skitag oder wie das mit dem Gitarrenunterricht der Tochter wohl laufen wird. Es lässt sich auch trefflich über Vergangenes sinnieren. Was man hätte können oder sollen. Was man auch hätte lassen oder vielleicht doch gerade extra machen hätte können. Wie auch immer. Egal, ob es der Blick zurück, der nach vorne oder just auf den Moment ist – immer hat es mit Zukunft zu tun.

 

Ihr sagt man nach, dass sie weder vorhersehbar, noch planbar sei. Sie komme gewiss, aber meist anders als erwartet. Und nahezu immer schneller als gewünscht. Das Gute an ihr ist, sie ist morgen auch bereits Vergangenheit und somit in ihrer Bedeutung manchmal überschätzt. Dennoch zieht sie unsere Aufmerksamkeit magisch an. Zurecht. Denn es ist jener Lebensabschnitt, in dem wir künftig zurechtkommen müssen. Oder sollten.

 

Wahrscheinlich deshalb beschäftigen sich Einrichtungen wie das Zukunftsinstitut – klingt als ob sie dort gemacht würde – mit eben jener Zeit, die vor uns liegt und die unser aller Leben bestimmen wird. Jährlich erscheint somit der Megatrend-Bericht, der die wichtigsten zu erwartenden Entwicklungen vorweg zu nehmen versucht und uns daher die Möglichkeit bietet, unser eigenes Tun, Arbeiten und Leben entsprechend zu justieren, um für das Gröbste gewappnet oder für die sich bietenden Chancen bereit zu sein.

 

Aufbereitet ist diese Zukunft in einer Karte, ähnlich dem öffentlichen Verkehrsnetz einer Stadt. Jede Linie ist ein Megatrend, der sich an bestimmten Knotenpunkten mit anderen kreuzt. Diese Umsteigebahnhöfe machen uns die Interdependenzen der einzelnen Zukunftsstränge deutlich. Neoökologie trifft sich mit New Work, mit Connectivity oder der neuen Urbanität. Vieles ist logisch, nachvollziehbar, zeichnet ein klares Bild. Manches scheint dann doch recht weit weg von der eigenen Realität. Aber alles zusammen macht nachdenklich. Unweigerlich sucht man sich selbst, versucht herauszufinden, in welchem Zug man gerade sitzt – um beim Bild des Streckennetzes zu bleiben. Oder auf welchem Bahnsteig man gerade dem davonfahrenden letzten Wagen hinterherwinkt. Man forscht nach den Schlussfolgerungen, die sich für das tägliche Geschäft ableiten lassen. Man reflektiert die eigenen Ansätze, Konzepte und Zukunftschancen, die sich daraus ergeben. Oder auch nicht. Kurzum: Zukunft bekommt plötzlich eine andere Dimension.

 

Gut, wenn dann die Tochter kommt, „Ich hab Hunger" ruft und damit für etwas Erdung sorgt bzw. den Einkaufszettel fürs bevorstehende Abendessen in Erinnerung bringt, auf den noch Salami und Käse gehören, die nämlich mit dem nächsten Brot Vergangenheit sein werden und deshalb für die Zukunft – also das Jausenbrot für den nächsten Tag – entsprechend eingeplant, sprich eingekauft werden müssen.

 

Wir beschäftigen uns in unserer Agentur fast ständig mit der Zukunft. Jener unserer Kunden, deren Chancen, Risiken aber auch Themen, die mitunter sehr mit dem persönlichen Morgen der handelnden Personen zu tun haben. Wir sind dabei weder Orakel, noch Zukunftsinstitut und auch nicht Quizkönige. Wir versuchen das Heute im Lichte des Gestern so zu verstehen, dass wir in der Lage sind, gemeinsam das Morgen zu erahnen und entsprechende Handlungen zu setzen. Das bedingt sehr viel Vertrauen von Seiten unserer Kunden, für das wir sehr dankbar sind und das wir mit großer Demut zu rechtfertigen versuchen. Es setzt auch voraus, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Was zählt, ist das Richtige zu tun, nicht das, womit man das eigene Ego am besten zufriedenstellt oder Preise gewinnt oder sich das Schulterklopfen der Kollegen zu sichern versucht.

 

Natürlich sind wir auch eitel. Bekommen gerne Anerkennung und Lob – ganz im Sinne von Bruno Kreisky, der dereinst meinte, man könne sich gar nicht vorstellen, wie viel Lob er aushalte. Man sollte nur nicht den Fokus verlieren. Und der ist besser am Horizont gesetzt, denn am Ende der Schreibtischplatte. Insofern sind die Megatrends wichtig für uns. Sie zwingen uns zur Reflexion über Möglichkeiten. Sie weiten den Blick. Sie lassen die Gedanken schweifen und sie sorgen für Frischluftzufuhr in den Ganglien. Am besten man vermischt sie mit einer Prise GDI, einem Schuss Page, etwas Brand eins und je einer Portion Wallpaper und Monocle.

 

Abgesehen davon tut es nicht schlecht, mal wieder bei Schneetreiben einen ordentlichen Tiefschneehang hinunter zu reiten oder einfach den Blick über die zahlreichen Gipfel schweifen zu lassen. Das erdet. Es macht klein, bescheiden und ruhiger. Es hilft, die eigene Bedeutung im Kontext des Universums einzusortieren. Und dann ist die Zukunft für einen Moment vielleicht nicht mehr ganz so wichtig, weil sich die Gegenwart grad in all ihrer Pracht zeigt. Und das Morgen kommt ohnehin schon morgen.

Andreas Mathis, Februar 2020