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Captain Kirk, Ochs vorm Berg + Headlinetext

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aber sag das mal mit einem Bild.“

Captain Kirk, Ochs vorm Berg + Headlinetext

Heute darf ich mal eine Lanze brechen für den spannenden Beruf des Werbetexters. Denn komischerweise finden sich in den Reihen jobsuchender Jungkreativer Grafik-Designer wie Sand am Meer, aber Werbetexter nur in homöopathischen Dosen.

Das liegt sicherlich zum einen am Ausbildungsprofil. Denn für Grafik-Designer gibt es ein Studium mit Brief und Siegel am Ende. Werbetexter dürfen sich ihr Zeugnis selber malen, da außer der Texterschmiede in Hamburg und der Miami Ad School es nur wenige Ausbildungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum gibt. Macht aber auch nix. Denn am Ende wollen die wenigsten ein Zeugnis, sondern nur die Arbeiten sehen.

Warum wollen also nur wenige den Beruf des Werbetexters wagen? Ich vermute ja – nach vielen Jahren in diesem Gewerk – dass es manchmal auch keine einfache Arbeit ist. Denn wo sich ein Grafiker noch ohne genaue Detailkenntnisse über ein Produkt durch einen Katalog gestalten kann, gelingt das als Texter definitiv nicht. Das heißt dann für jede Marke und jedes zu bewerbende Produkt: Einlesen, verstehen, Vorteile erkennen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Das kann mitunter recht anstrengend sein, denn wenn es um komplexe Produktionsprozesse, neue Technologien oder anderweitige exotische Branchen geht, steht man zunächst einmal wie der Ochs vorm Berg.

Klar. Man hat ja auch nicht Elektrotechnik, Anlagenbau oder sonst was studiert, sondern nicht mal Texten. In dieser komplexen Anforderung, sich in alle möglichen und manchmal auch unmöglichen Themen hinein zu arbeiten, liegt aber auch gleichzeitig der große Reiz der Werbetexterei. Denn man taucht in viele Bereiche und Welten ein, die – wie Captain Kirk es ausdrückt – noch nie ein Mensch, bzw. nur wenige zuvor gesehen oder davon gehört haben.

Sicherlich hängt das natürlich auch von den Kunden und Produkten ab, für die man munter schreiben darf. Aber im Laufe der Jahre werden einem dann doch Einblicke in Branchen und Bereiche gewährt, die immer wieder Staunen lassen. Von Mode über Bier, Uhren, Pharmaverpackungen, Maschinenbau, bis hin zu Kraftwerksanlagen und vieles mehr. Entsprechend soll dieser Appell Mut machen das Wort zu ergreifen und es gewinnbringend für seine Kunden einzusetzen. Das macht Spaß. Es braucht kein besonderes Handwerkszeug, außer den eigenen Kopf, die deutsche oder eine andere Sprache und eine gehörige Portion Neugier. Schon kann’s los gehen.

Denn was man nie vergessen sollte: Wie Bilder können auch Worte Begeisterung, Leidenschaft, Vertrauen und vieles mehr auslösen. Wie Bilder uns viel erzählen können, sind auch Worte in der Lage, Bilder in uns entstehen zu lassen. Worte sind nicht umsonst eines der wichtigsten Instrumente für die menschliche Kommunikation und ein zentraler Baustein für erfolgreiche und informative Werbung. Deshalb ist eine gute Idee erst gut mit einer guten Headline und durch nichts zu ersetzen. Außer durch eine bessere ...

Werner Waltenberger, Oktober 2015