Employer Branding

Dass sich die Situation am Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren noch verschärfen wird, ist eine Tatsache. Darum ist es höchste Zeit für entsprechende Strategien, um sich als Arbeitgeber gut zu positionieren. Employer Branding nennt man das.

Zu dir oder zu mir?

Zu dir oder zu mir? Diese Frage stellt sich nicht nur bei spät nachts geführten Koalitionsgesprächen zwischen zwei Hormonüberfluteten. Sie stellt sich in Sachen Recruiting auch bei vielen Industriebetrieben im Hinblick auf sich und ihre Mitbewerber. Wohin geht er bzw. sie wohl, der oder die heißbegehrte Neue? Sicher gibt es für diese Aufgabe viele Lösungsansätze, erfolgreiche und weniger erfolgreiche. Aber auf alle Fälle gibt es bessere Ideen, als die Heißumworbene mit der Aussicht auf ein gutes Haushaltsgeld in die eigenen vier Wände locken zu wollen. Fakt ist: Facharbeitermangel ist ein großes Thema. Und dass sich die Situation am Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren noch verschärfen wird, ist ebenfalls eine Tatsache. Darum ist es höchste Zeit, sich entsprechende Strategien zu recht zu legen, um sich als Arbeitgeber gut zu positionieren. Employer Branding nennt man das. Aber warum ist das alles so schwierig, warum geht die neue Herzdame vielleicht lieber zu dir, werter Mitbewerber, als zu mir?

Frage Nr 1: Wo ist mein Goldstück?

Wenn der Mitbewerber die richtige Disco kennt und schon lange nicht mehr vor dem Pfadiheim wartet, so wie ich, dann ist er eindeutig im Vorteil. Übersetzung: Wo ist mein Facharbeiter, was liest er, was interessiert ihn, wo studiert er, wer sind seine Freunde? Finde seine „Disco“! Platzier deine Anzeige nicht (nur) in den bewährten Printmedien, platzier dich in seinen Foren, besuch seine sozialen Netzwerke.

Frage Nr 2: Sieht sie mich, findet sie mich auch cool?

Wenn dein schnauzbärtiger Mitbewerber (Schnauz ist angesagt, meine Herren), bereits erste Erfolge bei der Balz zu verbuchen hat, du aber immer noch in deiner Bundfaltenhose steckst, brauchst du Outfittery oder (als B2B-Unternehmen) eine neue Agentur. Übersetzung: Kommuniziere auf Augenhöhe, sprich die Sprache deiner künftigen Facharbeiter. Sprich in seinen Medien, damit er dich überhaupt hört. Zeig dich multimedial von deiner besten Seite, eröffne Einblicke in dein Unternehmen. Information ist sehr wichtig, oft entscheidet aber Emotion ...

Frage Nr 3: Was soll ich jetzt sagen?

Wenn der heißblütige Mitbewerber bereits zu „O sole mio“ angesetzt hat und die Angebetete schon die Augen verdreht, kannst du in deiner Kneipe mit den anderen Übriggebliebenen noch einen Absacker nehmen. Das war’s dann für heute. Übersetzung: Themen wie Arbeitsklima, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Karrierechancen oder Arbeitsplatzsicherheit sind neben dem Gehalt die wichtigsten Punkte bei der Jobauswahl.

Aber gerade diese sind über eine Stellenanzeige schwer zu vermitteln. Zum Glück gibt es inzwischen jedoch mehr als nur die Printanzeige. Ein intelligenter Mix aus Maßnahmen, Kanälen und den richtigen Botschaften wird das Musikgehör unserer heißgeliebten Facharbeiter erreichen und ihr Blut in Wallung bringen. Wie wär’s also mit der aktiven Einbindung von Arbeitgeber-Bewertungs- und Recruiting-Portalen, der Publizierung von Erfolgsgeschichten eigener Mitarbeiter, dem sichtbar und spürbar Machen der eigenen Arbeitswelt mittels authentischer Stellenbeschreibungs- oder Arbeitgeber-Videos? Oder wie wär’s mit Platzierungen von interaktiven Werbeformen in Fach-Foren und Alumni-Netzwerken, mit einem Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Belohnungsmodell? Und wie wär’s, wenn wir dann noch alles miteinander verknüpfen würden? Schön wär’s, sagen die LeiterInnen der HR-Abteilungen, blöd wär’s, sagen die Mitbewerber. Höchste Zeit wär’s, sagen wir.


Bernie Weber, Jänner 2014