User Experience Design

Claudia liegt im Bett und schläft. Ein Sonnenstrahl kitzelt so lange an ihrer Nase, bis sie durch’s erste Augenlid blinzelt. Shit – verschlafen!

User Experience Design

Wieso ist der verdammte Wecker wieder nicht abgegangen? Wenn sie massiv auf die Tube drückt, könnte es sich noch rechtzeitig ausgehen. Claudia reißt frische Klamotten aus dem Schrank, rast ins Bad und schaltet im Vorbeistürmen die Kaffeemaschine ein. Toilette, Dusche, Schminke, Garderobe. Jetzt noch schnell einen Kaffee. Oh Mann, die Kaffeemaschine ist ja gar nicht eingeschalten. Okay, Kaffeetscherl geht sich nicht mehr aus. Sie rennt zum Auto und los. Eh klar, zu wenig Tiger im Tank. Rum um den Block und schnell zur Tanke. Claudia steckt ihre Kreditkarte in den Slot – geht nicht, ausgerechnet heute. Rein zur Kassa und brav hinten in der langen Schlange anstellen. Irgendwas scheint da vorne extrem langsam zu gehen, die Kassiererin bemüht sich freundlich um den Kunden, der fummelt gefühlte 10 Minuten am Kartenterminal herum. Endlich bezahlt, rein in die Kiste und weiter geht’s. Unfall und Stau! Genau auf ihrer Route hat’s gekracht. Also einen Umweg nehmen, eh schon wurscht, das geht sich nie mehr aus. Schlussendlich kommt Claudia völlig entnervt im Büro an, natürlich zu spät und der Tag hat noch nicht einmal richtig begonnen.

 

Aber was hat das jetzt alles mit User Experience zu tun? Hä? Wir spulen langsam zurück.

Der Unfall passierte, während der Fahrer verzweifelt versuchte sein Radio leiser zu stellen, leider konnte er die Volume-Taste nicht gleich finden, geschweige denn, dass sie blind zu ertasten gewesen wäre. Kurzer Blick auf’s Radio und schon ist er im weißen Polo vor ihm gepickt. Wäre die Usability der Kartenterminal-Software in der Tankstelle etwas kundenfreundlicher und intuitiver ausgeführt, hätte sich der Kunde ganz vorne in der Schlange viel leichter getan und die Warteschlange wäre gar nie entstanden. Ganz zu schweigen davon, dass die Kreditkartenfunktion an der Zapfsäule eh funktioniert hätte, hätte Claudia nur einen einfachen Hinweis bekommen, wie sie die Karte richtig hineinschieben muss. In ihrer Frühmorgenhektik hat sie einfach nicht darauf geachtet. Und wieso ist der verdammte On/Off-Schalter bei ihrer Kaffeemaschine hinten angebracht. Wieso gibt die Mühle auch kein Pieps-, Surr- oder Blinksignal um Claudia mitzuteilen: „Ja, jetzt bin ich eingeschalten“. Claudia war einfach zu schnell auf ihrem Weg ins Bad und hat den Schalter an der Kaffeemaschine fast ganz umgelegt. Aber eben nur fast und nicht ganz. Die Funktion, die automatisch nach dem Einschalten gleich den ersten Kaffee brüht hat Claudia nie gecheckt – viel zu kompliziert war das in der Anleitung beschrieben und nach wie vor blinkt vorne auf der Anzeige 12:00. Seit 2 Jahren.

Und was war mit dem Wecker? Wer um alles auf der Welt weiß schon genau, wie diese IKEA-Trixa-Wecker mit dem transparenten Display wirklich einzustellen sind. Meistens funktionierts eh, manchmal aber auch nicht und keiner weiß warum. Der einzige, der bei diesem ganzen Theater echt unschuldig war, war der Sonnenstrahl.

 

Den ganzen Tag sind wir mit Produkten und Services umgeben. Nutzen permanent irgendwelche Dinge, die im Idealfall wie angewachsen in der Hand liegen und den User von selbst durchs Menü führen. Im anderen Fall ärgern sie, machen unsicher oder verursachen einen Crash auf der Stadtautobahn.


User Experience Design muss glücklich und sicher machen. Muss Instinkte und Verhaltensweisen genauso berücksichtigen wie es dauernd reflektiert, überprüft und nachgebessert werden muss.

Egal, ob es sich um das Produktdesign einer Kaffeemaschine, das Interface-Design eines Kreditkartenterminals oder um das Screendesign einer Website oder App handelt. Interaktion ist inzwischen immer und überall – die neue Mikrowelle will genauso mit uns kommunizieren wie das Mega-Multi-Info-Screen-Teil das neuerdings bei unserem Kunden im Foyer mit den Besuchern Kontakt aufnehmen will. Und das wissen UX-Designer. Glücklich und sicher machen ist nicht nett, sondern das ein und alles.

Bernie Weber, August 2016

 

 

The three ways that good design makes you happy

https://www.youtube.com/watch?v=RlQEoJaLQRA

 

Donald A. Norman – Living with Complexity

http://www.derbuchhaendler.at/product/4099276460851463549/weitere-Kategorien_Architektur-und-Kunst/Donald-A-Norman/Living-with-Complexity

 

UX Design – Humanizing interaction:
http://uxdesign.com/ux-defined