Sei Kein Schwein beiM Webdesign

Wer heute nicht nur modern und innovativ rüber kommen will, sondern vor allem seine Zielgruppe mit einer attraktiven und userfreundlichen Website erreichen will, sollte ein paar Dinge beherzigen.

Sei kein Schwein beim Webdesign

So haben wir’s gelernt: Die Navigation steht oben oder auf der linken Seite, Texte sollte nicht zu lang sein, Bilder wegen der Ladezeiten nicht zu groß, scrollen ist böse, Flash und Bewegtbild verursachen lange Ladezeiten und überhaupt muss alles möglichst übersichtlich, strukturiert und einfach sein. So weit, so gut. Flash ist wegen den Smartphones und Tablets größtenteils ja sowieso schon lange von den Freunden HTML 5 und CSS 3 abgelöst worden, aber auch sonst dreht sich nicht nur die Erde weiter, sondern auch das Web entwickelt sich mit affenartiger Geschwindigkeit. Was dazu führt, dass Regeln von gestern alter Schnee von heute sind und neue Möglichkeiten und Trends zu erhöhtem Speichelfluss bei Designern und Schweißperlen bei Marketingverantwortlichen führen.


Fakt ist: Wer heute nicht nur modern und innovativ rüber kommen will, sondern vor allem seine Zielgruppe mit einer attraktiven und userfreundlichen Website erreichen will – und wir meinen wirklich erreichen, nicht nur ein bissl streifen – der sollte ein paar Dinge beherzigen: Wenn man bedenkt, dass rund 80% aller Smartphonebesitzer dieses Teil vor allem auch dafür nützen, im Web zu surfen, dann ist wohl logisch, dass eine Website heutzutage auf jeden Fall responsiv aufgebaut sein muss. Also in zumindest drei Screenformaten verfügbar sein muss – für Desktop, Tablet und eben Smartphones. „Mobile first“ ist bei der Konzeption und Umsetzung von Websites das Gebot der Stunde. Single-Page-Websites und Scrollen entwickeln sich gerade zu einem weiteren Standard. Klar, wer so mitteilungsbedürftig ist, dass die Website danach einen Kilometer lang wird, der sollte sich das überlegen. Auch wenn in der Generation Pinterest und Facebook ohne Endlos-Scrolling ja sowieso schon nichts mehr geht, sollte für Corporate Websites nicht vergessen werden, dass in der Kürze die Würze liegt. Und da sind Single-Page-Konzepte eine perfekte Lösung: Weg von ständiger Navigation hin zum benutzerzentrierten Erlebnis, das die eigene Marke eindrucksstark kommuniziert. Wichtig bleibt dabei die Strukturierung des Inhalts in kompakte Pakete. Dann ist Usability gesichert und das Scrollen wird zum natürlichen Fortbewegungsmittel auf der Seite. Dass sich der Content dabei schrittweise aufbaut, sorgt für verträgliche Ladezeiten und räumt mit dem letzten Vorurteil auf, dass, was lang ist auch lang dauert. Übrigens: Man kann auch horizontal scrollen, ist das nicht unglaublich?


Fixe Header, also eine Navigation, die immer mitwandert und somit von jedem Punkt der Website aus verfügbar ist, unterstützen die Single-Page-Konzepte und das Scrollen in endlose Tiefen des Contents.

Insgesamt ist Webdesign heute minimalistisch und auf das Wesentliche reduziert. „Content first“ ist nicht nur ein Schlagwort, sondern Programm. Es wird aufgeräumt mit unnötiger Ablenkung, Sound oder Video gleich auf der Startseite oder aufwändigem grafischem Firlefanz. Was nicht heißen soll, dass Grafik keine Rolle spielt – ganz im Gegenteil. Aber intelligent eingesetzt, auf hohem gestalterischem Niveau. Große Hintergrundbilder, Typographie jenseits von Verdana und Arial sowie viel Weißraum, der aber durchaus auch farbig sein darf – das sind die Zutaten, aus denen Webdesigner haubenverdächtige Kompositionen schaffen. Oder solche, die Preise gewinnen.

Bleiben noch jene Kunden, die in ihren vorigen Leben zur See fuhren, um Neues zu erkunden oder sich zu Fuß Richtung neuer Kontinente aufmachten: die Entdecker. Auch sie wollen bedient werden. Und für sie gibt es Trends wie z. B. Parallaxen. Dabei bewegen sich beim Scrollen verschiedene Ebenen unterschiedlich schnell und erzeugen so spannende Effekte bzw. sorgen für dosierten und strukturierten Informationsaufbau. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Website für den neuen Puma-Sportschuh Mobium (www.puma.com/mobium).

Spätestens an dieser Stelle werden sich vielleicht manche der geneigten Leserinnen und Leser fragen, ob WEBER, MATHIS + FREUNDE jetzt plötzlich einen auf Web-Agentur macht. Nein, tun wir nicht. Aber wir konzipieren und gestalten Websites. Und wir kämpfen dabei oft genug mit eingebrannten Meinungen, gelernten Verhaltensweisen und in die Jahre gekommenen Grundannahmen.Deshalb musste das einfach mal thematisiert werden. Wir wollen tolle, funktionelle, userfreundliche und preisverdächtige Webdesigns machen. Und wir wissen, wie das geht. Das wollten wir mal loswerden. Übrigens machen wir viel lieber Websites als Homepages. Das ist nämlich nur die Startseite eines Webauftritts. Das gesamte Ding heißt Website, nur so nebenbei bemerkt.

Andreas Mathis, August 2013