NEUJAHRSVORSÄTZE

Vorsätze sind meist nur dafür da, um genüsslich und vorsätzlich gebrochen zu werden. Oder doch nicht?

Prosit Neujahr

Das Entspannende am fortgeschrittenen Alter im Zusammenhang mit Neujahr ist, dass man im Laufe der vergangenen Jahre bereits so gut wie alle sinnvollen und sinnfremden Vorsätze zumindest einmal gefasst hat. Und natürlich hat man konsequenterweise keinen davon umgesetzt. Das bedeutet folglich, dass es völlig unnötig wäre, für 2018 wieder in die alte Falle zu tappen und sich etwas vorzunehmen – wohlwissend, dass die Chance auf Einhaltung der Vorsätze mindestens gleich groß wäre wie jene auf einen Sechser im Lotto. Was wollte man nicht schon alles machen: mehr Sport, mehr Kontakte pflegen, mehr Geduld im Umgang mit den Mitmenschen, dafür weniger Alkohol, gesünder Essen, regelmäßige Entschlackungstage, überhaupt natürlich abnehmen, wieder mehr Bücher lesen, jeden Monat jemandem eine Freude machen oder gleich ein besserer Mensch werden ... nur das Aufhören mit dem rauchen war noch nie dabei. Liegt aber wohl daran, dass die ambitionierten Versuche, mit dem Rauchen überhaupt mal anzufangen, auf der Maturareise vor 35 Jahren kläglich scheiterten. Aber vielleicht könnte ich mir ja vornehmen, 2018 einen neuen Versuch zu starten. Jetzt wo die neue Regierung ... ach was, rentiert sich jetzt auch nicht mehr.

Wie aber ist das mit den Vorsätzen eigentlich im Geschäftsleben? Gemeinhin ist es doch absolut gängig, wenn nicht unerlässlich, sich was vorzunehmen. „Ziele definieren“, heißt das dann. Und wer ein Ziel hat, braucht natürlich auch einen Plan, wie er dorthin kommen will. Das wiederum nennt sich „Strategie“. Damit das Ganze aber auf der Unternehmenszeitachse betrachtet Sinn macht, kommt vor dem Ziele definieren und Strategie entwickeln erst mal die „Bilanz“, die Rückschau auf das Vergangene, und die Standortbestimmung, die gerne als „Ist-Analyse“ bezeichnet wird.

Wenn man das so liest, dann klingt das schon wesentlich bedeutsamer und zukunftsträchtiger als der schnöde Vorsatz, oder? Nun gut, dann will ich das mal aus meiner Sicht für das beste Unternehmen machen, das mir grade einfällt: Weber, Mathis + Freunde.

2017 war prima (darf man das so wenig wirtschaftlich sagen?). Einfach spitzenklasse. Es kamen mit Christine, Andrea und Simon tolle neue Menschen in unser Team. Wir haben mit dem Thema Motion Design ein neues Geschäftsfeld geboren. Wir waren wirtschaftlich erfolgreich und haben ein gutes Ergebnis hingelegt. Wir haben unseren Mietvertrag im Steinebach verlängert. Wir haben ein neues Elektroauto gekauft. Wir haben konsequent unseren Weg verfolgt und unsere Werte gelebt. Wir haben das Geschäftliche nicht über das Persönliche, Emotionale gestellt, weshalb wir uns von einem langjährigen Kunden getrennt haben. Wir haben das ganze Jahr über mit Spaß, Freude, Engagement und gegenseitigem Respekt und Wertschätzung gearbeitet. Und wir haben ein halbes Dutzend neue Kunden von uns überzeugen und sie für eine Zusammenarbeit gewinnen können.

Das bedeutet also in Summe: Es geht uns gut und wir können mit großer Dankbarkeit und Demut auf das blicken, was wir heute sind und haben.


Wie könnte nun ein Ziel aussehen, das sich aus dieser Analyse ableiten lässt? Brauchen wir ein anderes, als einfach nur das Erreichte zu genießen, es zu erhalten, um wenn möglich am 31.12.2018 dieselbe Bilanz ziehen zu können? Muss es immer citius, altius, fortius sein? Wäre es denn nicht möglich, auch wenn rundum alles auf fast forward, Erfolg, Wachstum und multiple Orgasmen programmiert ist, den Pauseknopf zu drücken? Einfach nicht mitmachen, sitzen bleiben, schweigen und genießen. Kopf einziehen und hoffen, dass die Testosteron-Stürme vorüberziehen, ohne das Dach mitzunehmen. Vielleicht steigen wir dann 2020 wieder ein, so richtig ausgeruht, und katapultieren uns an allen anderen vorbei an die Spitze – wo immer die ist und wer immer im Moment dort ist. Oder wir betrachten es wie Falco: „Wo wir sind ist vorne. Und sind wir hinten, dann ist hinten vorne. Schonungslos.“ Also mal halblang!

Claus Otto Scharmer empfiehlt ja auch, dass nach dem „Innehalten“ erst das „Wahrnehmen, was ist“ kommt, bevor es ans „Sinne schärfen“ geht und schließlich „ins Tun kommen“ die nächste Runde einläutet.


Denke, so werden wir’s machen. Im Tun sind wir berufsbedingt ja ohnehin dauernd. Also werden wir 2018 in einer Dauerschleife, ergänzend zum Tun, wahrnehmen was ist und unsere Sinne schärfen. Play, Pause und Repeat in einem. Wir werden unser Team weiter festigen. Wir werden das Thema Motion Design mit Diana (der Name ist Programm) stärken. Wir werden unsere Freunde pflegen und unsere neuen Kunden in ihrer getroffenen Entscheidung durch Top-Arbeit bestärken. Bernie wird ein paar Calexico-Konzerte besuchen und feste Motorrad fahren. Jürgen vielleicht doch mal nach Hawaii fliegen. Nina natürlich samt Surfboard nach Australien. Daniel wird sein Studium beenden. Sarah noch schöner schreiben lernen. Christine auch während des Jahres mal eine Löffeltorte ins Büro bringen. Maggie wird weiter die Schönheiten des Bodenseeufers genießen. Simon seine neue Wohnung. Sara das Leben an sich. Tanja joggt 2018 mit Helm. Andrea übernimmt das erste „Kochen für Freunde“. Und Birgit zieht um.

Wenn das nicht nach einem verdammt guten Plan klingt! Und 2020 ist ja nicht mehr weit weg ... In diesem Sinne: Prosit Neujahr!

Andreas Mathis, Jänner 2018