Die Frage ist: Wie wird man ein Team, eine Mannschaft?

Das Runde muss ins Eckige.

Das Runde und das Eckige

Eh klar, dass kurz nach der Fußball-WM noch einmal was zu diesem Großereignis kommen muss. Während die Kroaten ihre WM-Helden wie Sieger feiern und bei den Galliern weiter eine Flasche Champagner nach der anderen geköpft wird, lässt sich neben vielen anderen schlauen Resümees unter anderem auch folgendes feststellen: Es war eine WM der Teams.

Ja, eh klar, wird man sich jetzt denken. Fußball ist ja auch ein Teamsport im Gegensatz zu Schach oder Taschenbillard. Was aber die scheinbar sinnfreie Feststellung meint, ist die Tatsache, dass – im Gegensatz zu früheren Turnieren – jene Mannschaften die Nase vorne hatten, die im Kollektiv, als gesamtes Team, eine herausragende Leistung boten. Und nicht jene, die rund um einen oder zwei Superstars schwänzelten, diese möglichst gut zu bedienen versuchten und sich sonst eher wie Statisten bei der Personality Show von überbezahlten Egomanen verhielten. Umgekehrt schieden darum auch jene aus, die es nicht verstanden, als Einheit, als Mannschaft aufzutreten. Das musste sogar Julian Draxler von den leider, leider, leider (das ist jetzt ironisch gemeint) viel zu früh ausgeschiedenen Deutschen konstatieren, der in einem Interview meinte, man habe es nicht auf die Reihe gekriegt, eine Mannschaft zu werden und sei deshalb verdient (was ich natürlich auch finde) ausgeschieden.

Die Frage ist: Wie wird man ein Team, eine Mannschaft? Was zweifelsohne entscheidend mitwirkt, ist ein entsprechender Trainer. Ein Kopf, eine Leitfigur, die es versteht, aus Individualisten eine Einheit zu formen. Dafür braucht es Regeln gleichermaßen wie Freiraum. Es müssen die Potenziale und Stärken erkannt werden. Es braucht viel Empathie, um die unterschiedlichen Charaktere zu erspüren, sie mit entsprechenden Rollen (nicht Aufgaben, das ist was anderes) zu bedenken und sie so aufeinander abzustimmen, dass sich niemand verbiegen muss, aber dennoch aus der Unterschiedlichkeit Synergie werden kann.

Man muss die vier Phasen der Teambildung verstehen und sie mit Weitblick, Unterstützung, Orientierung und Motivation begleiten. Bruce Tuckman definierte 1965 mit Forming, Storming, Norming und Performing jene vier Stadien, die jedes Team durchlaufen muss, um eine Einheit werden zu können. Jede dieser Phasen bringt unterschiedliche Hürden und Herausforderungen mit. Sie können nur dann erfolgreich in die nächste übergehen, wenn Wertschätzung, Offenheit und ein klares Ziel existieren. Und wenn es ein Gleichgewicht von Regeln und Freiraum gibt.Das haben sowohl Didier Deschamps verstanden wie auch Zlatko Dalic. Oder auch Roberto Martinez, Garret Southgate und Stanislaw Tschertschessow.

Wir haben viel gelernt bei dieser WM. Nicht nur, wie man sich ohne Anlauf bis zu 10 Mal am Boden liegend um die eigene Achse drehen kann. Oder wie man sich vor Freude mit Hilfe der Querlatte selbst den Ball an den Kopf knallen kann. Nein, wir haben auch gesehen, wie der perfekte Fersler geht, wie man Elfer hält und wie man als Team spielt. Auch in unserer Agentur sind wir grad mit dem Neubau unseres Teams beschäftigt. Es gab leider drei Abgänge in letzter Zeit. Sara hat das Angebot von Hannes angenommen, ins Mama-Team zu wechseln. Sarah wurde von der Uni in Düsseldorf abgeworben. Und Daniel hat den Schritt vom Spieler zum Trainer gemacht. Zum Glück haben wir bereits tollen Ersatz gefunden. Wir konnten Viktoria und Max für unsere Mannschaft gewinnen.

Aber nun sind wir gefordert, das veränderte Team wieder einzugrooven, die neuen zu einem Teil der Mannschaft zu machen und die „alten“ mit den neuen zu einer WM-Truppe zu formen. Unser Name soll auch weiterhin Programm bleiben. Darauf achten wir als Trainer. Und zum Glück haben wir eine Stammmannschaft, die das nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht hat, die sich gegenseitig so verhält und sich auch gegenüber unseren Kunden und Partnern so benimmt. Wir haben die Positionen gut besetzt. Die Verteidigung steht sicher, ist gut abgestimmt und versteht sich blind. Das Mittelfeld zieht kreativ die Fäden, verteilt die Bälle nach vorne und changiert die Positionen, wie es das Spiel erfordert. Der Sturm ist effizient, schnell und verwandelt sicher, ohne lange zu fackeln. Und ganz hinten, im Tor, wird dicht gemacht, ohne Fehler, mit Übersicht und großer Routine. Eigentlich haben wir es einfach auf unserer Trainerbank. Wir verteilen die Trinkflaschen, herzen von Zeit zu Zeit, geben schüchterne Inputs und lassen das Spiel laufen. Mit dem guten Gefühl, dass wir jederzeit Weltmeister werden könnten – wenn wir nicht zu bescheiden und zu beschäftigt wären, am Turnier teilzunehmen.

Wir arbeiten derweilen lieber für unsere Kunden und hauen dort das Runde ins Eckige. Als Team, wie sich das gehört.