die Wirkmeister und ihre Werkzeugkiste

Wir entwickeln Konzepte, schreiben Texte, kreieren Logos, gestalten Broschüren, designen Webseiten und zeichnen die tollsten Illus. Und dann, wenn ...

Bums, super, passt.

... die Präsentation parat, alle Charts geklebt und die Keynote-Folien perfekt sind, gehen wir zu unseren Kundinnen und Kunden. Bedanken uns für den feinen Espresso und das Glas Wasser, plaudern eingangs über das schöne Wetter, den Stau auf der Autobahn und den letzten Kurzurlaub, um dann irgendwann zu sagen:

„So, und jetzt zu unserem Projekt!“

Wir formulieren den strategischen Ansatz, erläutern die Positionierungsmatrix – jetzt und künftig – und erlauben uns, detailliert den Markennutzen, die Markenattribute, das Markenbild sowie die Tonalität zu beschreiben. Wir exzerpieren und navigieren mit dem Markenkompass. Und dann kommt noch die Bildwelt, geschildert und skizziert anhand von prächtigen Moodboards.


Kurzum: Wir haben im Vorfeld die Marke auseinandergenommen, auf Herz und Nieren geprüft, Zielgruppen anhand limbischer Methoden, Personas und Use-Cases genau definiert, die Konkurrenz unter anderem mit Marktsegmentierungen und Benchmark-Analysen abgeklopft, Farbklima und Farbbedeutung voll durchstudiert und uns vieler anderer Methoden bedient. Und warum: Genau, damit das, was wir gerade unserem Kunden präsentieren, jetzt so aussieht, wie es aussieht. Und, dass wir uns nicht über „Ist das jetzt schön?“, sondern über „Ist das jetzt richtig?“ unterhalten können. Der Kunde hört, nickt und ist begeistert, dass wir ihn so gut kennen und so treffend darstellen. Und dann kommen wir zu den Layouts. Zur Erinnerung erst nochmals das alte Logo, die alte Broschüre und jetzt: Tatatata, das Neue! Fertig, geschafft. Wir haben alles ordentlich hergeleitet und nun das visuelle Ergebnis präsentiert.

Und dann spricht der Kunde:

„Ah ja – okay – gar nicht soooo schlecht. Habe ich mir gar nicht so erwartet, aber gut. Kann ich grad nochmals das alte Logo sehen? War eigentlich auch nicht soooo schlecht. Vielleicht ein bisschen viel rot, nicht? Habt ihr das auch einmal in blau probiert? Kann man es im Halbdunkel schon noch lesen? Weiß man, wenn man das Logo sieht, was wir produzieren, für was wir stehen und was in unserem Abfallwirtschaftskonzept im Kleingedruckten steht? Hmmm, tja, kann ich spontan jetzt gar nichts dazu sagen …“


Ja, lieber Kunde. Da hast du echt keinen leichten Job. Wir erwarten nämlich von dir, dass du einfach das Logo, die Broschüre und alle anderen Dinge auf dich wirken lässt, gar nicht versuchst, es zu analysieren. Weil nämlich auch deine Kunden, deine Lieferanten und deine Mitarbeiter es nicht analysieren. Auf die wirkt es einfach. Es ist einfach da. Wird zur Hand genommen, wird gesehen, manchmal auch nur unbewusst. Aber es wird nicht analysiert. Höchstens von unserem Mitbewerber. Aber wie soll das bitte gehen, einfach wirken lassen? Im Idealfall sogar einfach nur zu sagen: „bums, super, passt“.

Die Antwort darauf haben wir auch nicht gleich parat. Aber einen Appell können wir formulieren. Und Mut machen. Denn:

Wir haben gelernt, verschiedene Werkzeuge zu nutzen, die es uns nicht nur möglich machen, den Kunden besser zu verstehen, sondern auch seine Welt zu kapieren. Die Tools geben uns Sicherheit in der Analyse der Anforderungen, in der Einschätzung der Zielgruppen, und sie sind gleichzeitig auch ein Instrument zur Reflektion mit dem Kunden. Haben wir dich richtig verstanden, sind wir gemeinsam auf dem richtigen Dampfer und vor allem in der richtigen Richtung unterwegs?


Und dann kommt dazu, dass wir in zig Jahren Berufserfahrung viel über die andere Seite unserer Kunden gelernt haben. Über die Kunden unserer Kunden. Wie sie sind, wie sie ticken. Wir versuchen, uns in sie hineinzuversetzen und zu verstehen, was sie brauchen, sehen und hören wollen.

Eine unserer Kernkompetenzen als Kommunikationsagentur ist es, diese Erkenntnisse in Gestaltung und Text zu übersetzen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Und wenn wir die ganze Übung im Vorfeld – mit Steuerrädern und Kompassen – richtig gemacht, dir gut zugehört und alles im Rebriefing nochmals hinterfragt und abgestimmt haben, dann können wir uns gemeinsam sicher sein, dass wir richtig liegen. Vielleicht sind wir dann noch nicht ganz beim: bums, super, passt. Aber schon sehr in der Nähe. Aja: Und Schönheit liegt, wie der Volksmund schon seit langem weiß, im Auge des Betrachters. Aber ob’s korrekt ist, was da am Tisch liegt, das lässt sich objektiv bewerten. Und ob es dann auch noch Spaß macht – das ist eine ganz andere Frage. So einfach ist das, nicht immer, aber öfter als man denkt.


Bernhard Weber
November 2015