Wer rastet, der rostet

Oder wie Mario Andretti, Formel 1 Weltmeister von 1978 meinte: „Wenn Sie glauben, alles unter Kontrolle zu haben, dann fahren Sie einfach noch nicht schnell genug.“

Blinker, Pedal + Rundenrekord

Womit wir mitten bei einer der zentralen Herausforderungen an unsere Zunft – und vor allem auch unserer Zeit – wären: ständige Weiterentwicklung, Optimierung und Verbesserung der Performance bei einem möglichst hohen Maß an Sicherheit und Kalkulierbarkeit. Denn schließlich wollen wir ja nicht unsere Marketing-Euros einfach so versenken. Die sollen sich schön vermehren und uns Ruhm und Ehre bringen.

Aber wie geht das, dieses ständige sich Weiterentwickeln?

Wir durften in den letzten Monaten mit unserem Kunden Getzner Werkstoffe wieder einmal dieses Thema behandeln: die Entwicklung. Wieder einmal deshalb, weil wir für Getzner seit nunmehr acht Jahren arbeiten und unser gemeinsamer Weg 2007 damit begann, dass wir nach einem Strategieprozess die Werkstoff-Firma zur Good Vibrations Company machten. Das hat einerseits intern zu einem Zusammenrücken und einer Entwicklung der Unternehmenskultur hin zu einem Miteinander geführt. Andererseits hat es im Markt, der sehr technisch und rational geprägt ist, zu viel Aufmerksamkeit, Sympathie und zum Glück auch Erfolg geführt (wir nehmen an dieser Stelle an, dass auch die Kommunikation und die neue Positionierung dazu beigetragen haben).

Nach sieben Jahren hat die Geschäftsleitung unter Jürgen Rainalter im vergangenen Jahr einen umfangreichen Strategieprozess zur Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft gestartet. Basierend auf der daraus entstandenen neuen Dachstrategie wurde konsequenterweise auch die Positionierung hinterfragt – hier begann unser Job.

Galt es 2007 eine klar emotionale Komponente in die Positionierung zu integrieren, so war das Gebot der Stunde 2015 den Kundennutzen mehr zu akzentuieren. Und zwar nicht nur den des direkten Getzner-Kunden, sondern auch jenen, den der Getzner-Kunde seinen Kunden stiftet.

In zahlreichen Workshops, Zwischenpräsentationen, Arbeitsgruppen und Diskussionen ist schließlich die Essenz destilliert worden. Mit den schwingungsisolierenden Eigenschaften der Getzner Werkstoffe wird für Vermeidung von Sekundärschall gesorgt, es werden störende akustische Parameter reduziert und es wird schlussendlich für mehr Ruhe und Komfort für Endkunden gesorgt. In eine Kurzformel gebracht entstand daraus der neue Claim: engineering a quiet future.

Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Mir ist vielmehr wichtig, was vor vielen Jahren für Citroen-Fahrer als Devise galt: Der Weg ist das Ziel.

Und der Weg, den Getzner immer wieder konsequent wählt, heißt Entwicklung. Nicht Veränderung, sondern Entwicklung. Was der Unterschied ist? Veränderung ist die Reaktion auf Einflüsse von außen – sie ist somit fremdbestimmt. Entwicklung hingegen ist das Ergebnis eines kontrollierten und gesteuerten Prozesses, der aus eigenem Antrieb erfolgt und eine klare Zielrichtung hat.

Im Fall von Getzner waren die Zutaten ein ganzer Komplex von Fragen, ein Bündel an Analysen, eine Reihe von Interviews mit verschiedenen Stakeholdern und schließlich das von Geschäftsleitung, Produktmanagement, Vertrieb und Corporate Communications entwickelte Zukunftsbild, auf das hingesteuert werden soll. Mit diesem Warenkorb durften wir schlussendlich arbeiten und über die strategische Positionierung der Marke und deren Kongruenz zur Unternehmensstrategie nachdenken.

Wer sich an dieser Stelle fragt, warum das jetzt einen Blog-Beitrag wert sein soll, dem sei gesagt: Wenn ein Unternehmen derart konsequent und kompromisslos an der eigenen Entwicklung arbeitet, ständig die Nase im Wind hat um sofort Fährte aufzunehmen und dabei sämtliche Ressourcen, Erfahrung und Kompetenzen im Haus nützt, dann ist das nicht nur einen Blog-Beitrag wert, sondern auch Applaus und Respekt.

Für uns als Agentur ist ein solcher Prozess im höchsten Maße herausfordernd. Es gilt, eine gute Balance zwischen der Bewahrung des aufgebauten Markenkapitals und der notwendigen Anpassung zu finden. Es gilt, das Neue so zu kommunizieren, dass es anschlussfähig ist an das Bestehende und doch eine reizvolle Perspektive eröffnet bzw. den nächsten Schritt klar erkennbar macht. Und es gilt, ein immenses Arbeitspensum bei der Umsetzung zu bewältigen – was wir natürlich gerne tun.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Bitte einmal kurz nachdenken, wann bei Ihnen das letzte Mal Entwicklung gezielt angegangen wurde, wann Zeit und Ressourcen für den Blick in den Spiegel investiert wurden, was die geschätzten Mitbewerber zu diesen Themen tun und ob es vielleicht an der Zeit wäre – im Geiste Mario Andrettis – einen Gang zurückzuschalten, den Blinker rauszuhauen und das rechte Pedal durchzudrücken, um auf den nächsten Rundenrekord loszugehen.

Das Boxenteam von WMUF steht bereit.

Andreas Mathis, Juli 2015