Ach Du heilige Messe

Irgendwann bin ich drauf gekommen, dass beide heilig sind. Dem Siebenhüter und meiner Mama die Altacher Messe, dem Schreihals mit dem bunten Gemüsehobel die Dornbirner.

Ach du heilige Messe

Als kleiner Pimpf habe ich mich gefragt, was unsere Messe mit der Dornbirner Messe zu tun hat. Mit unserer meine ich die sonntägliche, die Altacher Messe, die mit Pfarrer Siebenhüter. Warum nennen die Dornbirner ihre lustige Verkaufsshow einfach auch Messe? Wobei doch die unsrige die heilige ist, ihre aber zweifellos die lustigere. Darüber haben sich Pimpfe damals einen Kopf gemacht, nicht nur über Jochen Rindt, Jimi Hendrix und diverse Mondlandungen.

Irgendwann bin ich dann drauf gekommen, dass beide heilig sind. Dem Siebenhüter und meiner Mama die Altacher Messe, dem Schreihals mit dem bunten Gemüsehobel die Dornbirner.

Mehr als vierzig Jahre später denke ich immer noch über Messen nach. Inzwischen aber mehr über die Innotrans in Berlin, die Tube in Düsseldorf, die Mondial de l’Automobile in Paris oder die Modern Railways in Peking. Und ein bisschen sind sie immer noch heilig, die Messen.


Schließlich ist die Messe der temporär ausgelagerte Firmensitz des Unternehmens. Die Darstellung des Unternehmens in allen Facetten, von der Corporate Identity über die Präsentation von Produkten und Dienstleistungen bis hin zu den eigenen Mitarbeitern. Diese prägen ganz wesentlich das Corporate Image, das in den Köpfen der Besucher und Kunden entsteht. Und zum Glück sind die Zeiten von Kette rauchendem, Zeitung lesendem und in Fauteuils lümmelndem Standpersonal vorbei. Das gab’s, ich hab’s gesehen. Spätestens da war dann aber fertig mit heilig.

Heute sind sich die Messeverantwortlichen unserer Kunden bewusst über die Heiligkeit und machen sich Gedanken über die richtige Zonierung am Messestand. Was passiert wo? In welcher Zone kann sich der Besucher ungestört umschauen, sich orientieren und informieren? In welcher Zone präsentieren wir unsere Produkte und in welcher Zone nehmen unsere Mitarbeiter Kontakt mit dem Besucher auf? Und wo bieten wir Besprechungs- und vielleicht sogar Interaktionsmöglichkeiten an? Sie verstehen den Raum als Kommunikationsmittel.


Heute überlegen sich die Messeverantwortlichen unserer Kunden nicht mehr, wie viele Botschaften sie maximal auf ihren Messestand nageln können, sondern, wie die Reduktion auf das Wesentliche lautet. Schwerpunkte versus Bauchladen.

Sie machen sich auch Gedanken darüber, was im Rahmen der heiligen Messe im Vorfeld passiert, was während der Messe stattfindet und wie die Nachbearbeitung ausschaut. Welche Zusatzangebote sie nutzen wollen, vom Pressecorner über die Pressekonferenz bis hin zum Messe-TV.

Und die Messeverantwortlichen unserer Kunden wissen inzwischen längst, dass eine gute Planung das A und O ist. Es ist nicht derjenige der Meister, der in letzter Minute doch noch alles auf die Reihe bekommt, sondern der, der sogar noch die passenden Room drops für die eigenen Mitarbeiter bei der Ankunft im Hotel im Auge hat. Für alle, die´s nicht wissen: Room drops sind die kleinen Leckerlis, die abends auf dem Kopfpolster liegen.


Ein alter Messefuchs hat zu mir einmal gesagt: Mit dem Messebau wird man nie fertig, man hört einfach zu Beginn der Messe damit auf. Das war einmal, so wie das Standpersonal mit der Kippe in der Hand.

Ja, und was haben wir jetzt damit zu tun? Wir unterstützen planend, konzipierend, gestaltend und organisatorisch die Messeverantwortlichen unserer Kunden bei alledem. Sonst nichts.

Und der Messi? Der hat mit alledem gar nichts zu tun, weder mit der Mama, dem Siebenhüter noch mit der Dornbirner oder der Berliner Messe. Der heißt nur so ähnlich und ein Pimpf ist er, das ist alles.


Bernhard Weber, Juli 2014