The winner takes it all

Unsere Welt funktioniert nun Mal nach genau diesem Prinzip. Entweder bist du oben oder unten. Erfolgreich oder eben nicht. Anerkannt oder ein Niemand. Im Rampenlicht oder im Schatten all jener, die Goldmedaillen für sich gepachtet haben.

Abba Forever – The winner takes it all.

„The winner takes it all. The looser’s standig small. Beside the victory that's her destiny.“Ja, ABBA hat’s uns schon vor Jahren vorgesungen, wie das so ist mit dem Gewinnen und Verlieren. Es gibt nur das Eine oder das Andere. Nix dazwischen. Oben oder unten. Rot oder Schwarz. Und auch Nike hat vor nicht allzu langer Zeit ins selbe Horn gestoßen mit der Botschaft: „You don’t win a silver medal. You loose the gold.“ Alles klar, oder?

Unsere Welt funktioniert nun Mal nach genau diesem Prinzip. Entweder bist du oben oder unten. Erfolgreich oder eben nicht. Anerkannt oder ein Niemand. Im Rampenlicht oder im Schatten all jener, die Goldmedaillen für sich gepachtet haben.

Ist es so einfach? Ist die Welt rundum in Ordnung, wenn man zwei Adwins gewonnen hat, zwei von drei Nominierungen beim Vorarlberger Werbepreis in einen Sieg umgewandelt hat, wie wir gerade heute Abend?


Zuerst sei Eines klar gesagt: Wir haben eingereicht, mit der Absicht zu gewinnen. Als wir erfahren hatten, dass wir in drei Kategorien nominiert sind, also das Finale erreicht hatten, wollten wir erst recht gewinnen. Und als wir zwei Mal auf die Bühne gerufen wurden, um uns vor der versammelten Vorarlberger Kommunikationsgemeinde als Gewinner feiern zu lassen, hat das die Brust schwellen, das Grinsen in die Breite gehen und natürlich das Ego wachsen lassen.

Zuhause angekommen, beim zweiten Glas vom kühlen Cuvée aus Chenin und Chardonnay von der Domaine du Tariquet – übrigens ein feiner Sommerwein, der besonders gut zu gegrilltem Pulpo mit Salbeipüree passt – stelle ich mir aber doch die Frage, was denn der eigentliche Gewinn an einem solchen Abend ist.

Ich bin lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, dass es eine Reihe von Kollegen gibt, die uns diesen Erfolg von Herzen gönnen und sich mit uns freuen. Genauso wie es eine andere Reihe gibt, die sich fragen, wie man mit einem solchen Schafskäse die Jury übertölpeln konnte. Ersteres freut mich, das andere geht mir links vorbei.

Ich bin auch lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, dass am Montag nicht sieben neue Kunden anrufen, die darum bitten, dass wir für sie auch so schneidige, preiswürdige Arbeiten entwickeln, wie jene, die heute Abend gewonnen haben.


Und ich bin lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, dass morgen eine neue Sau durchs Dorf rennt, dass ein schnödes Datenblatt auf seine Gestaltung wartet, dass ein Text von seinen Rechtschreibfehlern befreit werden muss, dass ein enger Termin eingehalten werden will – kurzum: dass Alltag fernab von Preiswürdigkeit, Glamour, Ruhm (nicht der Oliver von Zeughaus, dem an dieser Stelle nochmals herzlich gratuliert sei), Ehre und kühlem Weißwein sein wird.

Was aber ist denn nun der Kern des Erfolgs, der wahre Grund zur Freude? Meine Antwort darauf ist glasklar, simpel und doch von eminenter Wichtigkeit für mich persönlich:


1. es sind unsere Kunden, die sich von uns für eine Idee begeistern lassen. Die ihr Geld investieren in unsere Arbeit. Die uns vertrauen, sich mit uns auseinandersetzen, uns mit Ecken und Kanten nehmen und im Kern daran glauben, dass wir für sie, für ihr Geschäft das Allerbeste erreichen wollen – und zwar ohne dabei auch nur den Bruchteil einer Sekunde auf einen Werbepreis zu schielen.


2. es ist unser Team. Ja, ich weiß. Das ist abgedroschen und in jedem Leitbild dieser Welt zu lesen. Und doch ist es jene Mischkulanz aus Persönlichkeiten mit all ihren Facetten, Stärken, Ecken, Kompetenzen und Eigenheiten, die sich zu guten Leistungen kumuliert und ein gemeinsames, ganz banales Ziel verfolgt, nämlich gute Arbeit zu machen.


Und 3. ist es das großartige Geschenk, jeden Tag mit der Gewissheit aufzustehen, das tun zu dürfen, wofür das Herz Blut durch die Adern pumpt. Das ist nur mit einem Partner möglich, der dieselbe Blutgruppe hat. Mit eben jenem Team, das sich den Arsch für die Sache aufreißt, an der es gerade arbeitet. Und mit den Kunden und Umsetzungspartner, die gleich getaktet sind und mit derselben Freude ihr Tagwerk verrichten.

Das sind die Fäden, aus denen der Stoff für unseren Erfolg gewoben ist. Und wenn dann ein Adwin – oder noch besser gleich zwei – hinzu kommt, dann ist das die Sahnehaube oben drauf. Aber was wäre die Haube ohne den Unterbau?


Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jetzt mancher Leser oder mache Leserin denkt: Ja, der Mathis. Sitzt zuhause auf dem Sofa, ein paar Achtele in der Birne, den Adwin auf dem Tisch neben dem Laptop, die schlafenden Kinder in ihren Zimmern, die liebende Gattin zufrieden im Bettlein. Und jetzt labert er hier von tiefschürfenden Dingen, anstatt dass er eine Tischbombe zündet und die Trophäe auf dem Kopf balanciert.


Mach ich vielleicht noch. Aber vorher war es mir wichtig festzustellen, dass meine wahren Erfolgserlebnisse im Kleinen liegen. Im Alltag. In Begegnungen, Gesprächen, Auseinandersetzungen. In Herausforderungen und deren Lösungen. In Reibungen und den Funken, die daraus entstehen. Eben in alldem, was wir jeden Tag mit unserem Team in unserer Agentur gemeinsam mit unseren Kunden, Partnern und Freunden erleben.


Ich freu mich trotzdem tierisch über die beiden Adwins, die wir heute gewonnen haben. Noch mehr freue ich mich auf den Freitag in der Agentur. Und jetzt trink ich noch Eins, versuche die Trophäe auf der Stirn durchs Wohnzimmer zu tragen und lass ABBA ordentlich einen raushauen.


Ich sage: Thank You for the Music. Zum Glück gab’s heute Abend kein Waterloo. Stattdessen schließe ich mich zumindest für heute ABBA an und bestätige, The Winner Takes It All. Ich hoffe, dass Money, Money, Money daraus wird, verabschiede mich mit einem herzlichen Super Trouper und weiß jetzt schon, dass ich mir beim morgendlichen Blick in den Spiegel denken werde: Mamma Mia!

Andreas Mathis, Mai 2015